Evangelisch Reformierte Kirchgemeinde Mitlödi

Festtagsartikel Weihnacht 2017                                         Almut Neumann, Mitlödi

Zauber der Weihnacht

WeihnachtsstimmungO ich liebe Weihnachten. Deshalb würde ich nie auf einen Christbaum verzichten wollen.Ohne ihn wäre für mich Weihnacht irgendwie entzaubert. Im Advent gab es wahrlich viel Ärger und Stress, aber jetzt ist alles wie verzaubert, Ruhe und Stille kehren ein, alles tönt anders, riecht anders, sieht alles anders aus.
Die Gegenposition, die Weihnachten als eine Ansammlung von rührseligen Geschichten bezeichnet, kennen wir. Hermann Hesse schrieb bereits vor 100 Jahren: «Unsere Weihnacht ist ja schon wirklich lange eine Sentimentalität; ist Reklameobjekt, Boden für Kitschfabrikation.» Kirche beanstandete immer wieder: «Das Weihnachtsfest ist zu einem Familienfest für jederman geworden.»
Ich möchte diese Art des Feierns nicht abwerten. Ich bin überzeugt, dass Menschen sie brauchen, dass ihnen Weihnachten gut tut, selbst mit den unzähligen Tränen, die wie sonst an keinem anderen Tag vergossen werden.
Doch warum tut uns Weihnachten gut ?

Worin liegt sein Zauber ? Vielleicht deshalb, weil es Erinnerungen an unsere Kindheit weckt. Gerade manche Kindheitserlebnisse erweisen sich erst im Rückblick als Sternstunden. Es muss gar nichts Besonderes sein, aber der Zauber eines Weihnachtsabends kann eine solche Sternstunde sein. Auch Erinnerung an damals, als alles noch gut und einfach war, übt eine magische Kraft aus.
Weihnachten weckt aber auch unsere Grundsehnsüchte nach guten Beziehungen aus. Deshalb setzen wir an Weihnachten ein Zeichen des Dankens und der Verbundenheit mit der Familie, mit Verwandten, Freunden, Mitarbeitern und Vereinskollegen, treffen uns, Geschenke werden verteilt.
Dann ist auch ein hoher Bedarf, uns selbst etwas Gutes zu tun, als Licht in unseren grauen Lebensalltag. Wie passend scheint das prophetische Wort aus der Bibel zu sein, das in den Kirchen zu einem beliebten Weihnachtstext geworden ist: «Das Volk das im Finstern wandelt, sieht ein grosses Licht; und über denen, die im Dunkeln wohnen, scheint es hell.» ( Jes 9, 1 )
Dieses Licht will heute hell strahlen für uns alle, die den Weihnachtszauber wenig spüren. Gerade, weil uns die dunkle Seite des Lebens schmerzlich bewusst wird, wenn ein Familienmitglied fehlt, weil es gestorben ist, oder bei Trennungen, bei Krankheiten, bei Arbeitslosigkeit. Deshalb besteht ein hoher Bedarf, auch an jene zu denken, für sie etwas zu tun, denen es nicht so gut geht.
So hören wir in der Heiligen Nacht gern die vertraute Weihnachtsgeschichte: «Es begab sich aber zu der Zeit…». Uns wird durch die Engel zugerufen: «Euch ist heute der Heiland der Welt geboren. Nun ist Frieden auf Erden. » Gott ist Mensch geworden mit allem, was zum Leben der Menschen dazu gehört mit der Bedürftigkeit und Hilflosigkeit eines kleinen Kindes. Das hat Bedeutung für uns, für die Hirten, für die kleinen Leute, für die, die am Rande der Gesellschaft stehen.
Müsste nun nicht alle Not, alle Gewalt verschwunden, aller Unfrieden in unserer Welt vorbei sein ? Diese Fragen hat sich auch der Evangelist Johannes gestellt und beurteilte die Wirklichkeit Jahrzehnte nach dem Tode Jesu mit folgenden Worten: «Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht ergriffen». (Joh.1)
Es gibt sie noch immer die Finsternis in dieser Welt. Und doch ist Gott in diese Welt gekommen, als ein Licht, das Halt und Orientierung gibt. Und darum sollen wir Weihnachten feiern. So wird Christus neu geboren als Licht, das uns erleuchtet, und uns diesen Zauber von Weihnachten bringt.

Frohe Weihnacht und Gottes Segen, Ihre Almut Neumann

Nächste Anlässe