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Besinnung: «Den Sinn des Lebens erkennen,Teil 1»  Auffahrt 2020

Der Friede Gottes sei mit Euch.
Christus spricht: «Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir
ziehen.» Amen   ( Johannes 12, 32 )
 
Herzlich willkommen zu unserer Besinnung. Wir feiern Auffahrt, feiern, dass Jesus
nun zur Rechten Gottes sitzt. Damit verbinden sich große Hoffnungen, die wir auch
heute noch nicht aufgegeben haben: die Hoffnung auf das Ende von Leiden und
Schmerzen, von Krieg und Konflikten, von Armut und Elend, Krankheit und Tod.
               
Das ist für mich das eigentlich Hoffnungsvolle am Auffahrtstag. Jesus tritt seine
Herrschaft an der Seite Gottes an. Eine wundersame Herrschaft. Er herrscht, indem
er sich uns entzieht. Und indem er sich uns entzieht, erfüllt er Menschen mit Kraft.
So sagt er zum Abschied: «Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.»
"Ja, ihr werdet eine Kraft empfangen und der Heilige Geist wird über euch kommen."
Jesu Kraft macht die Jünger frei, macht uns frei; frei dazu, aus sich selbst herauszu-
gehen, die Schönheit um sich herum mit offenen Augen wahrzunehmen, den Men-
schen neu zu begegnen. Dieselbe Bewegung hinaus aus der Enge in den weiten
Raum der Schöpfung und des Himmels beschreibt das Lied von Paul Gerhardt:
 
"Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.
 
Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fliegt aus seiner Kluft
und macht sich in die Wälder; die hochbegabte Nachtigall
ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Tal und Felder.
 
Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fliesst,
dass ich dir stetig blühe; gib, dass der Sommer deiner Gnad in meiner Seele
früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe.
 
Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum,
und lass mich Wurzel treiben; verleihe, dass zu deinem Ruhm
ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben.» Amen
 
40 Tage nach Jesu Auferstehung, so berichtet der Evangelist Lukas in seiner
Apostelgeschichte, verabschiedet sich Jesus Christus von seinen Jüngern; Jesus
erteilt seinen Jüngern damals und uns heute seinen Auftrag, was wir in der Welt tun
sollen: «Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. Geht nun hin und
macht alle Völker zu meinen Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters und
des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles halten, was ich euch
geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Amen» ( Matthäus 28, 18-20 )
War`s das ? Und damit soll nun alles auf der Welt besser werden?! Das konnten
wohl auch seine Jünger nur schwer glauben. Auch wenn Jesus ihnen sogar eine
Kraft verheißt: "Ihr werdet eine Kraft empfangen und der Heilige Geist wird über euch
kommen."
Doch die Jünger verstanden Jesus nicht richtig. Und so heisst es weiter: Und nach-
dem Jesus vor den Augen der Jünger gen Himmel entschwunden ist, stehen diese
immer noch da und starren ihm hinterher.
Vielleicht wären sie gerne mitgekommen. Direkt zum Himmel und ohne Umwege ?
Aber daraus wird nichts. „Was steht ihr hier und schaut, in den Himmel ?“, fragt einer,
der vorbeikommt – ein Bote Gottes. „Das ist die falsche Richtung. Eure Strasse geht
zu den Menschen, geht mitten hinein ins Leben, um euren Auftrag in der Welt zu
erfüllen.“
Aber die Jünger verstanden immer noch nicht. Jesu Auffahrt erlebten sie als einen
grossen Verlust, den sie erst einmal verkraften mussten: Wär` doch zu schön
gewesen: Alle Sorgen hinter sich lassen, raus aus diesem Leben. Seite an Seite mit
Jesus im Reich Gottes sein, schon jetzt und für immer und ewig.
 
Doch für die Jünger heisst es an Auffahrt eben nicht am Ende angelangt zu sein; es
heisst: Aufbruch in die andere Richtung. Für sie heisst es: Kehrtwende, zurück nach
Jerusalem. Das war vielleicht nicht die Strasse ihrer Träume – nicht auf den ersten
Blick. Aber es war der Beginn einer neuen Bewegung, einer neuen Gemeinschaft, in
der der Auftrag Jesu erfüllt werden sollte, um darin den wahren Sinn des Lebens zu
erkennen. Doch zunächst mussten sie auf die Geisteskraft warten, und so trafen sie
sich, feierten Abendmahl, erzählten sich die Jesusgeschichten; erlebten in Eintracht
miteinander schon ein Stück Himmel auf Erden. Falsche Richtung: solch eine
Ansage kann manchmal ganz neues Leben eröffnen.
Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, solchen Momenten zu begegnen,
eine Kehrtwende zu machen, einen Neubeginn zu wagen, um so ein Stück des
Himmels auf Erden zu erleben. Amen
 
Lasst uns beten für alle Menschen, die in Angst leben und füreinander Sorge tragen;
für alle, die sich in Medizin und in Pflege um kranke Menschen kümmern;
für alle, die Entscheidungen treffen müssen und im Einsatz sind für die Gesellschaft.
Christi Auffahrt: Es geht um Abschied, um Warten, um Auftrag, und es geht um die
neue Freiheit, die neben aller Wehmut, aus einem Abschied erwachsen kann.
Ewiger Gott, du bist uns Zuflucht und Kraft. Öffne uns die Augen und Herzen, steh
uns allen bei; stärke in uns das Vertrauen, dass alle Menschen in deinen guten
Händen geborgen sind.
Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein
Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns
heute, und vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldi-
gern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen
 
Gott segne dich und behüte dich.
Gott lass sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen
 
Ich wünsche Euch einen harmonischen Auffahrtsfeiertag
Ich danke Martin Zimmerman an der Orgel. Eure Almut Neumann, Pfrin Mitlödi