der gute hirte

Besinnung «Der gute Hirte» am  2. Sonntag nach Ostern 2020

Der Friede Gottes sei mit euch. Amen

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und
ich kenne sie, und uns sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.
(Johannes 10)
Ich begrüsse Sie herzlich zu unserer Besinnung. Der Sonntag steht im Bild des
Guten Hirtens, der sich einsetzt für die Seinen um jeden Preis.
 
Wir beten: Gott, wir sehnen uns nach einem Leben in Geborgenheit und Sicherheit.
Lass uns die Spuren deiner Barmherzigkeit in unserem Leben und Alltag sehen.
 
Voll Vertrauen bewegen wir die Worte des 23. Psalms in unserem Herzen:
                         
Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er
erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Strasse um seines Namens Willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal fürchte ich kein Unglück,
denn du bist bei mir.
Dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner
Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang.
ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. Amen
Lesung:  Der Evangelist Lukas erzählt im 15. Kapitel über Jesu Gleichnisse.
Wenn Jesus über Dinge sprach, die nicht leicht zu verstehen waren, erzählte er oft
Gleichnisse, um deutlich zu machen, was er meinte. «Wenn ihr Ohren habt», sagte
er oft, «dann hört richtig zu». In seinen Gleichnissen benutzte Jesus ganz alltägliche
Dinge, die jedermann kannte. So erzählte vom verlorenen Schaf, denn in den
braunen Bergen Israels gab es viele Schafherden. «Wenn jemand von euch hundert
Schafe besitzt», sagte Jesus, «und eins davon läuft weg und verirrt sich, was tut
dann der Hirte. Er verlässt die 99, die in Sicherheit sind, und sucht das eine, das sich
verirrt hat. Er sucht so lange, bis er es gefunden hat. Und dann ist er so glücklich
darüber, trägt es auf seinen Schultern nach Hause, ruft seine Freunde und Nachbarn
zusammen:`Freut euch mit mir`, sagt er, `ich habe mein Schäflein verloren und
wieder gefunden.’
Solche Freude wird auch im Himmel über jeden sein, der wieder zu Gott gefunden
hat. Ich bin gekommen», sagt Jesus, «weil ich die suchen will, die sich von Gott
entfernt haben, ich will sie wieder nach Hause bringen.»  Amen
 
Impuls: Ein schönes Bild, der treue Hirte mit seinen Schafen, die seine Stimme
hören und ihm nachfolgen. Eine Idylle voller Sonnenschein und Harmonie.
Aber so ist es in unserem Leben nicht. Und ich bin auch kein blökendes Schaf, will
selbst entscheiden und nicht blindlinks folgen. Und ich will auch nicht, dass
Menschen diesen Eindruck vom christlichen Glauben gewinnen, dass man seinen
kritischen Verstand und seine Freiheit abgeben muss, wie ein Schaf in der Herde.
 
Nun wissen wir, dass das Hirtenleben damals alles andere als eine Idylle war. Hirten
waren eher grob, waren nicht angesehen, wurden ausgebeutet und Schafe waren in
der rauen Natur vielen Gefahren ausgesetzt, auf sich selbst verwiesen, wenn der
Hirte mutlos war und sich nicht genug für die Schafe einsetzte. So kämpften Hirten
und Schafe um Leben und ums Überleben, um Kraft, um Gerechtigkeit und Heilung.
Ja, in diesem Bild kann ich unser Leben ungeschönt und ehrlich wieder finden.
 
Jesus greift das Bild vom Hirten und die Worte aus dem Prophetenbuch Ezechiel auf,
wo Gott den Menschen sagt: «Ihr habt meine Liebe oft missbraucht, aber ich kann
meinen Bund mit euch nicht vergessen, Deshalb: Ich will das Verlorene wieder
suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das
Schwache stärken, und was fett und stark ist, behüten. Ich will sie weiden, wie es
recht ist.» ( Ezechiel 34 )
 
Jesus geht so weit, sogar sein eigenes Leben einzusetzen. So sagt er: «Ein guter
Hirte gibt sein Leben für die Schafe. Ich bin dieser gute Hirte, der das Verlorene
sucht und nach Hause bringt zu Gott und der sein Leben gibt für sie.»
 
In jedem Wort ist zu spüren, dass es Gott nicht kalt lässt. Er kann uns Menschen
nicht loslassen. Er überlässt uns nicht einfach unserem Schicksal. Er gibt uns aber
auch die Freiheit, eigene Wege zu gehen und wieder zurückzukommen. Und er tut
dies aus übergrosser Liebe. All das spüren wir in dem trostvollen Psalm: Der Herr ist
mein Hirte. Amen
 
Lasst uns beten. Jesus, unsere eigenen Wege gehen wir, und doch suchen wir
deine Nähe, suchen etwas Verlässlichliches in unübersichtlicher Zeit, etwas, das
weiter reicht als unsere Sorgen. Steh vor uns, wenn kalter Wind um unsere Ohren
pfeift. Greife ein, wenn wir vergeblich ringen. Wir danken dir, dass wir immer wieder
spüren dürfen, du bist unser Hirte.
Lasst uns beten für alle Menschen, die in diesen Wochen schwer erkrankt sind; für
alle, die in Angst leben und füreinander Sorge tragen; für alle, die sich in Medizin und
in Pflege um kranke Menschen kümmern; für die Forschenden, die nach Schutz und
Heilmitteln suchen, und für alle, die Entscheidungen treffen müssen und im Einsatz
sind für die Gesellschaft, aber auch für die vielen Verstorbenen. Ewiger Gott, du bist
uns Zuflucht und Stärke. Steh allen bei, die von dieser jetzigen Krise betroffen sind,
und stärke in uns den Glauben, dass alle Menschen in deinen guten Händen
geborgen sind.
Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein
Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns
heute, und vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldi-
gern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen
 
Lasst Euch segnen: Gott segne dich und behüte dich.
Gott lass sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen
 
Ich danke Martin Zimmerman an der Orgel.
Ich wünsche Euch eine harmonische Zeit. Eure Almut Neumann, Pfrin Mitlödi.